Beiern

Beiern

Warum wird gebeiert?

Im Mittelalter war die nächste Kirche oft nicht weit weg. Daher wurden die Kirchenglocken häufig als Nachrichteninstrument benutzt. hektische, schnelle Glockenschläge bedeuteten dass Gefahr drohte. Ruhige Töne hingegen, informierten darüber das die Gefahr vorrüber war. Es heißt: Je einfacher eine Melodie ist, desto älter ist diese.

Heutzutage wird das Beiern als besonders festliches Glockenschlagen benutzt. Bei uns wird zur ersten heiligen Kommunion, zu Himmelfahrt und zu anderen festlichen Anlässen wie Bischofsbesuch oder kirchlichen Jubiläen gebeiert.

normales Läuten

früher wurden die Glocken mit Seilen vom Küster oder den Messdienern zum Schwingen gebracht. Dabei werden, wie heute, die ganzen Glocken zum Schwingen gebracht. Der Klöppel in der Glocke ist frei beweglich. Dadurch schwingt dieser nicht mit der ganzen Glocke syncron mit, sondern schlägt an die Glockenwand.

Heute werden die Glocken natürlich nicht mehr per Hand sondern mit einer Läutemaschine, ähnlich eines Elektromotors angetrieben. Ein Glockenschlag kann auf diese Art nicht erzeugt werden, da es schon einige Sekuden dauert, bis der erste Schlag ertönt. Die Schwingbewegung kann auch nicht einfach angehalten werden. Um also z. B. einen Stundenschlag auszulösen wird elektrisch ein Stahlhammer an die Glocke geschlagen. Der Klöppel wird also nicht bewegt.

das besondere Glockenspiel: Beiern

Beim Beiern werden die Klöppel der Glocken per Hand an den Rand geschlagen. Dadurch kann man den Rythmus der Schläge gut kontrollieren. Im Gegensatz zum Läuten wird die Glocke sogar am Glockenmantel oder am Antriebsrad festgehalten, damit die Glocke nicht durch die Schläge ins Schwingen gerät und sich so der Punkt an dem Klöppel und Mantel sich treffen verschiebt. Die meisten Kirchen bauen dafür im Glockenstuhl eine Seil- oder Kettenkonstruktion auf, die die Klöppel kurz von den Rand der Glocke vorspannen. Somit lassen sich die Glocken durch Seilziehen oder gar auf einer Art Tastatur die Glocken spielen.

Bei uns sind im Glockenstuhl "nur" zwei Glocken: Die größere aus dem Jahre 1952 und die kleinere ist um einiges älter. Traditionell setzt man sich auf die Balken des Glockenstuhls und hat die Glocke direkt vor sich hängen. Die Spieler können sich durch die Glocken nicht direkt sehen. Der Spieler der großen Glocke, kann lediglich die Hände des Anderen sehen. Der Spieler der kleien Glocke gibt per Hanzeichen die Art des Schlagens an. Ein Sprechen ist auch nicht möglich, da man aufgrund der Lautstärke Gehörschutz tragen muss. Nach ungefähr einer halben Stunde wird das Team gewechselt. Dies passiert meist zur halben und vollen Stunde, damit man für die kurze Zeit die Glockenautomatik wieder einschalten , und der Glockenschlag ertönen kann.

und noch was:

Beiern hat weder etwas mit dem Beyenburg noch mit dem Bundenland Bayern zu tun. Der Ursprung des Wortes „Beiern“ liegt im Alt-Französischen baier, was „Bellen“ oder „Anschlagen“ bedeutet.

Lokalzeit 15.5.2015